Samstag, 10. Dezember 2011

Die 6 Säulen

Ich hasse es wenn es scheint als würde meine Welt zusammen brechen. Allerdings war sie auch nie wirklick solide aufgebaut. Sie war auf sechs Pfeilern gestützt, die mit der Zeit immer mehr und mehr Risse bekamen.
Ich sah auf die Säulen hinab und dachte nach.



Die erste hieß Freundschaft
Einst war es eine starke Säule. Mächtig und augenscheinlich unzerstörbar ragte sie in den Himmel. Als andere brachen und Risse bekamen hielt sie immer stand. Eines Tages wäre sie vielleicht die Einzige gewesen, die meine Welt stütze. Aber Dinge geschahen...
Freunde verrieten mich. Große Teile brachen ein. Sie verlor die Standfestigkeit, die sie einst hatte und besaß nicht mehr die Kraft meine Welt alleine zu halten. Würden die anderen Säulen brechen, würde auch sie es.
 Die zweite hieß Liebe
Liebe.... Wie oft hatte sie mich enttäuscht? Wie oft hintergangen und mir Schmerz bereitet? Ihre filigrane rote Maserung, die sie bis an ihre Spitze schmückte stellte den Schmerz dar. Mal war sie mehr davon durchzogen, mal weniger. Aber er schien immer anwesend zu sein.
Der Sockel auf dem sie stand wie alle anderen war brüchig. Ich hätte nur dagegen treten müssen und er würde wie Sand in sich zusammenfallen. Dann würde auch sie einstürzen. Ich  ging ein paar Schritte von dieser Baustelle zurück.
Jedenfalls wünschte ich mir das es eine Baustelle wäre. Das jemand kommt und sie wieder zusammenbaut. Ich könnte lange warten. Sie wäre eingestürzt bevor jemand kommen würde, weil sie einfach nichts mehr ertragen könnte.
Die dritte hieß Mut 
Sie hatte kaum Risse, nur einen sehr tiefen. Daran würde sie aber nicht brechen. Nur einmal hatte sie mich verlassen, das war dieser Riss, der sich tief als schwarze dicke Linie in den weißen Stein gefressen hatte. Sie schien höher als alle Anderen. Dicker als alle Anderen. Standfester als alle Anderen.... einfach sicher und zuverlässig. Auf sie konnte ich setzten. Wenn alles brechen würde, könnte sie vielleicht die letzten Reste meiner Welt zusammen mit der Freundschaft tragen. Ja, auf sie könnte ich mich verlassen, wahrscheinlich.

Die vierte hieß Hoffnung
Hoffnung? Das kannte ich? Wirklich?
Ich sah mich um. Und ich sah nichts. Es war ein merkwürdiger Boden auf dem ich stand, auf dem sie hätte stehen müssen. Er sah aus als bestünde er aus grauen Steinen. Ich beugte mich herunter und sammelte ein Stück auf. Es war kein Stein, es waren Trümmer.
Ich sah mich weiter um und in der Ferne sah ich etwas, was wie ein großer Stein aussah. Ich lief dorthin und stolperte. Im letzten Moment hielt ich mich fest bevor ich auf die harten spitzen Trümmer aufprallte. Hielt mich an dem großen Brocken fest, der irgendwo weit weg lag, von dem Platz, wo er hätte stehen sollen.
Ich streifte über die feinen Rillen, des Säulenstücks und spürte den toten kalten Stein. Es vermittelte ein merkwürdiges Gefühl von Leere. An der Stelle, wo der Stein durchbrochen war, fühlte er sich ungewöhnlich an. Überrascht schreckte ich zurück als ich etwas Zähflüssigeis, Kaltes spürte. Ich sah genauer hin und bemerkte eine dunkle rote Flüssigkeit, die aus den Rissen floss. Es sah aus als würde der Stein Bluten. Vielleicht war es Blut? Es sah ihm sehr ähnlich.
Ich erhob mich von dem Trümmerhaufen auf dem ich stand und sah zu wie sich eine Blutlache um den grauen Stein ergoss.
Erschüttert blickte ich auf die Überreste, die von der Hoffung übrig blieben. Trümmer, Kälte... Blut
Die Hoffnung hatte mich im Stich gelassen.
 
 
Die fünfte hieß Glück
 Ich hatte etwas Furcht davor, diese Säule anzusehen. Sie hätte es nicht viel besser getroffen als die Hoffnung. Wenigstens stand diese noch. Sie war zwar instabil und erfüllte schon lang nicht mehr ihren Zweck, doch umgestürzt war sie noch nicht. Allerdings war dies nur eine Frage der Zeit.
Sie war schwer geschädigt und glich dem Überbleibsel eines Bombenanschlags.
Zahllose Teile fehlten. Wie lange sie noch stehen würde? Ich wusste es nicht.


Die sechste hieß Finsternis
Welch Ironie das genau diese stark, schön und stolz in den Himmel ragte und die Einzige war, die wirklich zuverlässig war. Sie war aufgebaut auf Lügen, Fehlern, herzlosen Taten. In ihr spiegelte sich all das Schlechte meines Lebens wieder und es strahlte mich glückselig wie die Sonne an.
Aber ich hasste es.
Konnte man sich darauf wirklich verlassen? Was wäre wenn alles brechen würde? Wäre es denn gut, wenn sie die einzige wäre die mein Leben aufrecht halten würde? Würde ich das überhaupt wollen? Eigentlich nicht, denn ich wüsste nicht wie mein Leben dann aussehen würde. Es sollte nicht von so etwas gestützt werden.

Ich stemmte die Fäuste gegen den rot leuchtenden Stein. Es war als würde sie mich mit ihrer Stärke auslachen und zwang mich in die Knie. Aber ich alleine war es, die bestimmte. Ich konnte sie umreißen, denn es war alleine mein Leben. Und wenn ich wollte das sie fiel, dann musste sie einfach fallen!
Es sollte keine Lügen geben, nie mehr, nie wieder, keine Fehler, leere Worte. Mein Leben sollte nicht auf so etwas aufgebaut sein.
Und so währte ich mich mit all meiner Kraft gegen die Finsternis, egal wie stark sie schien.
Ich spürte wie sie wankte und mein Leben das auf ihr aufgebaut war erschüttert wurde.
Doch das hielt mich nicht ab.
Unbeeindruckt setzte ich meine letzte Kraft ein und sie schwankte stärker und stärker. Teile fielen von ihr ab. Mehere prallten rechts und links von mir auf den Boden.
Eines traf mich beinahe. Ich ging in Deckung und  sah zu wie sie umstürzte. Ihre Stärke schwand und es freute mich das mein Leben endlich leichter werden würde ohne sie.
Doch sie war nicht die einzige die fiel. Ich hatte eine Kettenreaktion ausgelöst und sie alle brachen ein.
Mut, was brachte mir Mut ohne Freundschaft die mir Kraft gibt?
Freundschaft, was brachte sie ohne den Mut dazu und das Glück?
Liebe, was war sie schon ohne   Glück und Freundschaft?
Und ohne das Glück, brachte da etwas überhaupt irgendetwas?
Oder die Lügen, die in allem irgendwo fest verankert waren und all die Fehler?
Als ich die Stärkste umgestürzt hatte, sprach ich auch das Todesurteil für die anderen aus.
Ich kauerte mich zusammen und als sich der Staub der durch die Luft zog gelegt hatte sah ich was ich angerichtet hatte.
Ich alleine hatte mein Leben zerstört.

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