Freitag, 20. Januar 2012

Liebe hin, Liebe her, einer leidet immer...

Sie ging ins Badezimmer. Ihr Handy legte sie auf die Fensterbank. Sie würde es hören, wenn sie eine Sms bekäme. Einen Blick warf sie noch darauf. Verbot sich darüber nachzudenken, obwohl so vieles im Hintergrund ihres Kopfes vor sich ging, seitdem er ihr eine Sms Geschrieben hatte
hey, ich weíß du hasst mich, aber bitte lass uns noch einmal reden
Sie war mehr als skeptisch und hatte ihm geschrieben, dass sie keinen weiteren Kontakt zu ihm haben wolle, solang er ihr nicht die Antworten auf ihre Fragen gab.
Dann ging sie unter die Dusche und ließ heißes Wasser auf ihren Körper herunterregnen. Sie wünschte sich, das wenigstens das sie ablenken könnte, aber vergebens. Immer wieder erwischte sie sich dabei einen Blick auf die Fensterbank zu werfen und zu schauen ob vielleicht das Display von ihrem Handy aufleuchte. Aber das tat es nicht.
Sie drehte sich um und wusch sich das Haar. Wieso wartete sie so sehnsüchtig auf seine Sms? Auf seine Antwort? Es konnte ihr doch egal sein. Verdient hatte er sie sowieso nicht. Wieso musste sie sich so auf die Folter spannen, schon wieder?  Wollte sie wirklich zulassen, dass er wieder mit ihr spielt, wie mit einer Puppe?
Als sie eigentlich fertig mit dem Duschen war, merkte sie, wie etwas schwer auf ihr lastete. Noch einmal machte sie das Wasser an, diesmal heißer. Sie wollte noch nicht raus. Das einzige was sie wollte war die Zeit anhalten und eine kurze Pause von der Welt.
Nach einer Viertelstunde stieg sie heraus. Sie nahm ihre Sachen und wieder warf sie einen Blick auf ihr Handy. Nichts.
Das hatte sie gewusst.
In ihrem Zimmer verkroch sie sich zuerst unter der Decke und öffnete ihren Laptop. Sie tat ihre Sachen nicht in den Wäschesack. Sie legte ihr Handtuch nicht weg. Sie machte nicht die Hausaufgaben, die sie hätte tun sollen.
Das einzige was sie tat war ihren Lieblingssong zu hören und nachzudenken.
Sie spürte ihre Anspannung. Ihren Herzschlag, es dröhnte so laut. Wie Schmirgelpapier fühlten sich ihre Nerven an. Abgetragen und rau. Am liebsten würde sie schreien. Sich all ihren Frust von der Seele schreien. Das war schon viel zu lange überfällig. Aber es würde nicht weg gehen. Es würde nie weggehen, egal was sie tat und es wurde immer schlimmer. Dieser Frust, er fraß sie auf. Alles, absolut alles wurde ihr zur Last und dann auch noch er....
Er hatte doch gewusst wie es ihr ging. Und er konnte sich denken, wie es ihr jetzt ging. Vielleicht konnte er, vielleicht nicht. Sie wusste es nicht. Sie wusste nur, dass er sie als Freundin, als irgendeine unwichtige, auswechselbare Freundin, behalten wollte. Sie wollte das nicht. Alles oder nichts, dachte sie. Und wenn sie nicht zu ihm gehören konnte, dann wollte sie nichts von ihm wissen.
Irgendwie konnte sie auch ohne ihn. Es war alles anders. Alles war kälter. Und jegliches Gefühl verdrängte sie, ziemlich erfolgreich. Ob das jetzt gut oder schlecht für sie war, ist eine andere Frage.
Aber sie kam schon irgendwie ohne ihn aus....
Während sie über das alles nachdachte drehte sie nervös das Handy in ihren Händen herum und ganz still und heimlich machte sich eine kleine Träne auf den Weg über ihre Wange.

An diesem Abend hat sie keine Sms bekommen. Wieso war ihr egal. Wen er ihr keine Antworten gab, war es nicht ihr Problem. Sie konnte auf ihn verzichten und er wusste, wie stur sie sein konnte. Gab es nicht endlich die heißersehnten Antworten, die sie hören wollte, wusste sie nicht, wieso sie mit ihm reden sollte. Doch eins wusste sie verdammt sicher. Eines Tages, früher oder später, würde ihm das alles Leid tun. Er würde zurück kommen. Irgendwann, höchstwahrscheinlich. Aber nichts würde dann mehr so sein, wie es war und nur er hätte dann Schuld daran....

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