Freitag, 6. Januar 2012

Schutzengel !?

Der Regen prasselte schwer auf mich hinab. Rot war er, als würde der Himmel bluten. Die Luft war feucht, fast schon erstickend, die Welt voller blutigen Pfützen auf schwarz steinernen Wegen. Ich weiß nicht wie lang ich dort zusammengekauert kniete. Bestimmt Jahre. Ich konnte mich nicht erinnern an früher. Ein Früher gab es nicht mehr.
Doch endlich hatte ich meine Augen geöffnet und erhob mich vom Boden. Ich sah wer da spielte in der Ferne. Ein kleiner Engel mit gesenktem Blick und gefalteten weißen Flügel. Er oder besser gesagt sie hatte weißes langes Haar und trug ein schwarzes, sehr altmodisches Kleid. Sie sah aus wie ein Kind, vielleicht 10 Jahre alt und sprang durch die Pfützen, sodass Blutspritzer mehr und mehr ihr Kleid beschmutzen. Aber sie lachte nicht, wie ein Kind dies getan hätte. Sie war stumm und ihr Mund blieb nichtssagend geschlossen.
,,Warte Kleine!" , rief ich ihr nach.
Ich sah, wie sie augenblicklich stehen blieb, bei dem Klang meiner Stimme, mit dem Rücken zu mir gewendet. Und wartete das ich nachkam. Ich rannte zu ihr. Sah wie der Regen ihre Flügel durchnässte und ihr Haar mit zahlreichen roten Flecken übersäte. Jeh näher ich kam umso mehr ängstigte dieser Anblick mich, wie diese merkwürdige Aura, die den Engel umgab. Mit jedem Schritt wurde sie stärker.
Als ich hinter ihm stand überkam mich ein seltsames Gefühl. Es fühlte sich an wie.... wie der Tod.
Das kleine Wesen drehte sich langsam um. Streifte mit seinen durchnässten Flügeln fast meine Nasenspitze. Sein nasses Haar hing ihm übers Gesicht und warf einen weiten Schatten, sodass ich nur seinen Mund sehen konnte. Blasse Lippen die ausdruckslos waren. Kein Kinderlächeln wie ich es mir bei jungen Engel vorgestellt hatte.
,,Was machst du hier, ganz alleine?"
,,Sie haben gesagt ich muss auf dich aufpassen. Ich bin dein Engel und muss dich beschützen."
Ich lauschte der schönen, klaren Kinderstimme, aber sah etwas aufblitzen als es seinen Mund öffnete. Auch wenn mir diese Welt von Sekunde zu Sekunde fragwürdiger erschien, ließ ich mich nicht verunsichern, dachte nicht darüber nach.
,,Weißt du, ob du mich vor etwas Bestimmten beschützen musst?"
Es schüttelte den Kopf, was mir Bluttropfen ins Gesicht spritzte.
,,Nein, das hat mein Gott nicht gesagt."
,,Dein Gott?"
,,Ja, er ist ein sehr guter Herrscher, aber ich hüte mich vor seinem Zorn"
Schon wieder sah ich etwas aufblitzen. Ein Schauer überkam mich. Wenn ich es nicht besser wüsste hätte ich gesagt es wäre ein Reiszahn. Aber das konnte gar nicht sein.... Ein Engel und Reiszähne? ... Doch was war wenn ich mich irrte und alles ganz anders war?..
Ich kniete mich herab zu dem kleinen Wesen und hoffte so einen Blick in sein Gesicht erhaschen zu können. Doch auch dies war vergebens. Es senkte seinen Blick weiter herab.
,,Sag´ mir lieber Engel, wie heißt den Gott?"
Mit unschuldiger Kinderstimme sprach er ein einziges Wort ,,Luzifer"
Ich musste schlucken. In was war ich hier hereingeraten?
Mit zittriger Stimme frage ich:
,,Und wer bist denn du?"
Es erhob seinen Blick. Blutrote Augen starrten tief in die Meinen. Und mit einem kräftigen Schlag entfaltete es seine Flügel. Ich sah wie sich die weißen schmutzigen Federn lösten und um mich herumflogen. Darunter kam ein glänzend schwarzes Federkleid zum Vorschein.
Es lächelte und ließ seine Reiszähne blitzen, auf  die Bluttropfen vom Himmel fielen.
,,Ich bin Lilith."

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