Sonntag, 26. Februar 2012

ღHerzflimmern Kapitel 4

Liebes Tagebuch,
wenn man anfängt das zu begehren was man verachtet, ist es, als würde man eine Affäre mit dem Teufel anfangen. Offenen Auges läuft man in sein Unglück, scheinbar ganz willkürlich. Wie es enden wird, ist klar. Man wird untergehen, egal wie, egal wo, egal wann, aber es ist sicher.
Der Grad auf dem ich stehe, irgendwo zwischen den Fronten, kommt mir verdammt schmal vor. Meine größte Angst ist die, wieder den gleichen Fehler mit den gleichen falschen Menschen zu tun. Aber was hält mich davon ab? Meine Moral? Mein Gewissen? Mein Sinn für die Gerechtigkeit oder sonst etwas derartiges? Nein, sicher nicht, denn diese Dinge scheinen schon lange keine Geschehnisse mehr zu beeinflussen. Außerdem ist da diese irrationale Anziehung zu ihm, die ich nicht verstehe und sie ist stärke als alles andere. Aber irgendwie muss ich standhaft bleiben. Wenn es drauf ankommt kann ich es ja auch meistens.....

Die Tage vergingen. Nicht langsamer als sonst, nicht schneller. Alles schien so zu sein wie immer.
Aber es schien nur so, denn Kleinigkeiten änderten sich. Kaum merkbar, aber vorhanden.
Vikas Art gegenüber Rick wurde immer kälter. Warum sollte sie ihm hinterherlaufen, ihn wollen, wenn er sie nicht schätzte? Wenn Dan es doch getan hatte, aber sie auch nicht bekam?..
Oft stritten sie sich, aber ihr war es egal, denn er war ihr egal und alles was er dachte, fühlte, tat, war es auch.
Sie stritt sich auch mit besten Freunden, wenn man sie denn so nennen konnte. Freunde waren doch diese Leute, die hinter einem standen, oder? Die, die einen unterstützen und nicht alles noch verkomplizieren?
Scheinbar konnte sie die ein oder anderen Menschen einfach nicht Freunde nennen. Ganz einfach, weil sie es nicht verdienten und sie Dinge sagten, die Freunde niemals zueinander sagen würden. Von Tag zu Tag wurde immer klarer, wen sie in ihrem Leben haben wollte und wen nicht. Wenn sie so darüber nachdachte, wünschte sie sich oft einen Joker zu haben, der für sie ein paar Leute aus ihrem Leben kickt. Denn sie konnte dem ein oder anderen nicht hart ins Gesicht sagen, dass er ihr nichts bedeutete, weil es bei ihm anders war. Solche Dinge brachte sie nie übers Herz.
Andererseits wurde ihr auch klarer, wie wichtig ihr ihre richtigen Freunde waren. Und mittlerweile konnte sie auch auf ein paar von den Leuten zählen, von denen sie es nicht er wartet hatte, dass diese für sie da waren.....

Vika lag noch im Bett als sie aus dem Fenster sah. Ihre Gedanken schweiften umher und sie musste an Dan denken. Es verging, selbst ein Monat danach, kein Tag, an dem sie es nicht tat. Zu seiner Beerdigung konnte sie nicht gehen und jetzt lag er unter der Erde. Sie hatte ihn nie gesehen und kaum wirklich gekannt, aber vielleicht war es auch besser so. Sie wollte es sich verkneifen, weiter darüber nachzudenken, aber sofort spürte sie die Leere, die in ihr aufkam. Nicht schon wieder...
Als sie sich herumdrehte, klingelte
ihr Wecker. Vika wollte nicht aufstehen und drehte sich noch einmal herum. Einschlafen würde sie schon nicht, nur ein bisschen liegen....
,,VIKA HAST DU MAL AUF DIE UHR GESEHEN?!", hörte sie ihre Mutter schreien. Sie schreckte hoch als würde jemand Strom durch ihren Körper jagen. War es nicht gerade noch viertel nach sechs? Sie sah auf ihren Wecker. WAS? SCHON VIERTEL NACH SIEBEN ?
Sie sprang aus ihrem Bett und eilte ins Bad. Vorbei an ihrer Mutter die in der Küche Frühstück machte und ihr einen finsteren Blick zu warf.
,,Hat dein Wecker wieder nicht geklingelt?"
,,Nope" sagte Vika schnell um weitere Diskusionen zu vermeiden.
Im Bad hieß es erstmal waschen, schminken, Haare machen. Verdammt viel und verdammt wenig Zeit.
Als sie das alles hinter sich hatte und sich auch angezogen hatte setzte sich zu ihren Eltern, die schon fühstückten. Ihr Vater beschwerte sich mal wieder darüber, dass der Honig vom warmen Brot lief, während ihre Mutter in der Zeitung Sodoku machte und das, was er sagte nicht sonderlich beachtete.
Im Hintergrund liefen die Nachrichten auf Sat1. Vika blickte unbeteiligt das morgendliche Schauspiel an. Immer wieder das Gleiche.
Ihre Mutter riss sich bei dem Klang der Stimme, der Nachrichtensprecherin von der Zeitung los und sah auf die Uhr.
,,Hohl´s Auto raus sie kommt zu spät.", sagte sie zu ihrem Man
Dann blickte sie zu Vika. ,,Willst du nichts essen, Schatz?"
,,Kein Hunger." , antwortete sie, drehte sich herum und ging die letzten Dinge einpacken, Jacke anziehen und los zur Schule.
Es war Montag, der schlimmste Tag der Woche.

In der Schule war mal wieder jeder mit sich selbst beschäftigt. SMS schreiben, zeichnen, tratschen, Centstücke durch die Klasse werfen und die Lehrer mit all dem auf die Palme bringen. So sah ein normaler Schultag aus. In der Pause vor der fünften und sechsten Stunde redete sie so wie jede Pause mit Alice, eine von den Freundinnen, die immer hinter ihr standen, schon seit der ersten Klasse.
Natürlich merkte sie, weil sie Vika schon lang genug kannte, das etwas nicht stimmte. Aber letzter Zeit tat es das nie, also redeten sie kaum noch darüber.
,,Hey, siehs doch so, wenigstens ist er glücklich gestorben, weil er dachte du liebst ihn auch.", sagte Alice, während sie ein Stück von ihrem Crosant aß und Vika etwas abgab.
,,Hm... du hast wahrscheinlich recht. Aber mit einer Lüge sterben?! Das ist doch mehr als scheiße..."
,,Es war ja eine schöne Lüge."
Vika blickte ins Leere und schluckte.
,,Jetzt kann man auch nichts mehr ändern, also ist es egal."
Alice schwieg und es kam eine unbehagliche Stille auf.
,,Hey du hast gleich Textil, oder? Mit Mick."
Sie warf Vika ein spottendes Lächeln zu. Mick war....feige, falsch, verlogen, hatte Vika, seitdem sie denken kann beeinflusst,verarscht und ausgenutzt. Damals hatte er kurzzeitig sogar ihre Beziehung mit Julius zerstört, einfach, weil er so überzeugend und beeinflussend sein konnte. Sie hasste ihn bis aufs Mark.
Alice zuckte mit den Schultern.
,,Reg dich nicht wegen diesem Schwuli auf, der ist es nicht Wert und hat dich nur zugelabert, weil er auf Rothaarige steht."
Sie zwinkerte Vika zu, worauf diese lachen musste.
,,Lieber rotthaarig als ne Krüppelnase. Ich kann sie mir färben."
,,HEY meine Nase ist WUNDERSCHÖN!"
,,Haha total."
Jetzt lachten Beiden wieder über den Freundschaftlichen Krieg, der ausgebrochen war, weil keiner seine "Fehler" eingestehen wollte. So war es eben wenn zwei sture kleine Zicken sowas wie beste Freundinnen waren.
,,Naja, viel Spaß mit ihm."
Vika verdrehte die Augen und sagte sarkastisch danke.
,,Eines Tages werd ich seiner Freundin sagen, was ihr toller schwuler Freund gemacht hat." Vika   verkniff angewidert das Gesicht bei der Erinnerung
,,Wenn sie erfährt, dass er sie mit dir betrogen hat, dann bleibt Mick sein Lebtag Single. Ich glaub nicht das jemand anders ihn haben will...."
Es klingelte. Vika packte ihre Sachen zusammen und machte sich auf den Weg zum Textil-Raum.
,,Tschüss."
,,Bis morgen. Das schaffst du. Hast schon Schlimmeres mit ihm durchstanden." Sie zwinkerte und Vika hätte ihr jetzt am liebsten in die Seite gekniffen.
,,Haha....Du bist lustig."
Mick war der einzige  Grund, warum sie Montage hasste....

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